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Simon Marius im Jahr der Astronomie

Ausstellung zu berühmten Sohn der Stadt in Bücherei – Buchausstellung mit Sachbuch-Neuerscheinungen

GUNZENHAUSEN – Dem gebürtigen Gunzenhäuser und späteren Ansbacher Hofastronom und Hofmathematikus Simon Marius ist eine Ausstellung in der Stadt- und Schulbücherei gewidmet. Stadtarchivar Werner Mühlhäußer hat dazu Fakten und Dokumente zu einer kleinen, aber informativen Schau zusammengestellt. Auch das berühmte Werk „Mundus Jovialis“ über die Entdeckung der Jupitermonde ist bis zum 7. November im Original zu sehen.

Über den aktuellen Wissensstand der Astronomie informiert eine von Ulrike Engelhardt zusammengestellte Buchausstellung. Der gut sortierte Bestand wurde jüngst durch zumeist großformatige Bildbände und Sachbücher renommierter Autoren ergänzt. Ein Auswahlverzeichnis „das Weltall - Du lebst darin - entdecke es!" sowie ausgesuchte Aufsätze aus Wissenschaftszeitschriften ergänzen die Ausstellung. Weiter ist ein astronomisches Vixen-Teleskop zu sehen, eine Leihgabe der Sternenfreunde Brombachsee, die seit April 2009 eine neue Sternwarte am Weinberg in Ramsberg ihr Eigen nennen.

Die Gunzenhäuser und der Gunzenhausener Rat waren sich schon zu Lebzeiten des Simon Marius (1573-1624) der überragenden Bedeutung des berühmten Sohnes der Stadt bewusst. Dies hat Archivar Werner Mühlhäußer ausführlich dokumentiert: Es existieren Abrechnungen für Gastmahle, Geldgeschenke sowie für die Anfertigung eines vom Goldschmied gefertigten silbernen Bechers, die bei den offenbar regelmäßigen Besuchen des Ansbacher Hofastromoms und Hofmathematicus verehrt worden sind.

Als Sohn des Büttners und späteren Bürgermeisters Reichart Mayer wuchs Simon Marius am Hafnermarkt auf. Sein Geburtshaus stand auf dem Gelände der Maschinenhalle der Druckerei Riedel. Bereits als Schüler der Lateinschule fiel er durch sein Interesse an der Sternenwissenschaft auf. Seiner schönen Singstimme ist es aber wohl zu danken, dass ihm der Markgraf Georg Friedrich über eine Ausbildung an der Heilsbronner Fürstenschule den Weg zur höheren Bildung eröffnete. Hier wurde seine besondere Begabung für die Mathematik und die Astronomie offenbar.

Wegweisend für seine Forschungen war sicher sein Besuch bei dem berühmten Prager Astronom Tycho Brahe im Jahr 1601. Hatte er sich vorher schon dem Studium des Sonnensystems und astromonischer Berechnungen gewidmet, so begann 1602-1610 mit den jährlichen „Prognostica", Vorhersagen über den Verlauf von Himmelskörpern, eine fruchtbare Forschungsphase. Auch an der unter Zeitgenossen üblichen „Kometenjagd", einem Wettlauf um die erstmalige Beobachtung solcher Himmelskörper hat sich Simon Marius beteiligt.

Seit 1605 bot ein festes Jahresgehalt und eine Anstellung als Hofastronom und Hofmathemathematicus den Hintergrund für seine wissenschaftliche Arbeit. Zudem richtete der markgräfliche Hof in Ansbach ihm ein Observatorium in einem der Schlosstürme ein. Mit dem dort installierten zweilinsigen und damals hochmodernen Fernrohr (heute im Besitz des Deutschen Museums München) machte im Winter 1609 Simon Marius seine Aufsehen erregendste Entdeckung . Er beobachtete und dokumentierte ausführlich die vier Monde des Jupiter. Bis heute ist nicht ganz geklärt, ob der berühmte Galileo Galilei die Jupitermonde einen Wimpernschlag früher im Okular gesichtet hatte.

Babett Guthmann

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